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Mach's gut Papa

Mai 11th, 2009 | Tags:
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papa_rahmenLange habe ich darüber nachgedacht, ob ich es machen sollte, oder ob ich es lieber lasse.
Lange habe ich überlegt, ob es wirklich angebracht ist relativ unbekannten Menschen doch so viel Privates aus meinem Leben zuzumuten.
Lange habe ich überlegt, was andere denken werden, die sehen, dass ich in einem offenen Medium so etwas schreibe, was wahrscheinlich absolut niemanden interessiert.
Und jetzt bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es meine Sache ist und wenn ich meine es machen zu wollen, dann mach ich das auch. Und ich sage gleich vorweg: dieser Beitrag ist nicht so lesenswert wie evtl. so manch Anderer hier (hoffe ich) und es muss sich niemand gezwungen fühlen, ihn zu lesen. Er ist mehr für mich.

In dieser Minute, in der dieser Beitrag veröffentlicht wird, bin ich bei der Beerdigung meines Vaters Günther Thiele (geb. Schenke). Gebohren ist er am 10. August 1935 in Rudolstadt. Verstorben, oder wie meine Mutter sagt eingeschlafen, ist er vor drei Wochen am 18. April 2009.1 Und bevor jemand nachrechnen muss: er wurde 73 Jahre alt.((Ja, ich bin Einzelkind))

Seines Zeichens war mein Vater gelernter Stahlbauschlosser. Kein Mann von wirklich hoher Bildung doch ein herzlicher Mensch. Nachdem er nach Berlin kam, arbeitete er an einigen der bedeutensten Gebäuden Berlins mit. Unter anderem die Kugel des Fernsehturms und einigen mehr. Als ich noch kleiner war und wir als Familie in der Stadt unterwegs waren, gab es kaum ein hohes Gebäude, von dem er mir nicht Stolz mitteilte, dass er daran mit daran gebaut hat. Mir schien das es sein ganzer Stolz war und so sei es ihm vergeben, dass er mir die Storys mehr als nur ein Mal erzählte. Leider war mein Vater auch einer der vielen, die durch die Wendezeit seine Arbeit verlor und seit meinem ersten Schuljahr (’91) zu Hause war. Was als Kind natürlich unglaublich ätzend sein kann wenn immer jemand zu Hause ist.

Nicht immer hatte ich ein so herzliches Verhältnis zu meinem Vater wie in den Jahren seit dem ich nicht mehr zu Hause wohnte, doch die Zeiten sind vergessen. Ich behalte ihn lieber als den liebevollen Vater in Erinnerung, der er in den letzten Jahren für mich war. Um so erschreckender und unerwarteter kam es für mich und meine Mutter als er am Samstag vor drei Wochen überraschend zu Hause verstarb. Eine offizielle Ursache gibt es nicht (natürlicher Tod), aber seine Ärzte gehen von einem Hinterwandinfarkt aus. Er erlitt bereits vor vielen Jahren mehrere Herzinfarkte.

Auch wenn ich eher nicht der gläubige Mensch bin (meine Mutter hätte es gerne anders) bin ich mir doch in irgend einer Weise sicher, dass es so besser war. Ich hoffe es sieht keiner als negativ an, aber wenn man das ganze Leiden meines Vaters so nah miterlebt hat, wie meine Mutter und ich, weiß dass es nicht hätte besser werden können. Laut meiner Mutter muss er in aller Ruhe “eingeschlafen” sein und dabei keine Schmerzen erlitten haben.

Leider kann ich von mir nicht sagen, dass ich absolut niedergeschlagen bin. Ich bin scheinbar doch sehr gut im Verdrängen.2 Ich bin nur sehr, sehr, sehr traurig darüber, das,s er nicht mehr da ist und es doch noch so vieles gibt was (im Nachhinein gesehen) nicht gesagt wurde. So vieles wofür ich mich scheinbar nicht ausreichend bedankt habe, so vieles was immer unter gegangen ist, so vieles…

Ich müsste ihm noch so oft danke sagen… Danke für alles.

Ich möchte nicht, dass sich irgend wer gezwungen fühlt etwas zu sagen oder mir wie so viele Mitleid zu beteuern. Ich will auch kein Mitleid. Ich will das nur mal gesagt/ geschrieben haben. Und evtl. dient das hier alles auch ein wenig als Erklärung für die momentan fehlende Motivation etwas neues zu schreiben, angesehen von Belanglosigkeiten.

  1. Ein Tag vor dem dem 19. Jahrestag der Hochzeit meiner Eltern. []
  2. Wer weiß, wie es jetzt in diesem Moment gerade ist []

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  1. Mai 11th, 2009 at 18:18

    Ich habe meinen Vater mit 22 verloren, er war damals 61, (Herz) auch ich habe mich nicht immer blendend mit ihm verstanden und muß sagen das ich dieses Gefühl kenne (“es doch noch so vieles gibt was (im Nachhinein gesehen) nicht gesagt wurde”)
    Ich vermisse ihn und meine Mutter (starb 4 Jahre später) sehr, werde jetzt 54 und in manchen Situationen wäre ich sehr froh und dankbar wenn ich mir einen Rat von ihnen holen könnte.

  2. Mai 19th, 2009 at 22:25

    Es gibt Vieles, was nicht artikuliert wird und später bereut man es vielleicht. Aber – und das sagt mein Vater immer (er lebt zum Glück noch und ist gesund) – es ist nicht primär wichtig, Danke zu sagen, sondern das, was man vom Vater bekommen hat, an die eigenen Kinder weiter zu geben. Das erachte ich als sehr wichtig und es gibt mir immer wieder Kraft, für meinen Sohn dazusein. Denn ich erinnere mich auch sehr gerne an die Zeiten, als ich noch Kind war. Und heute ist mein Vater nicht mehr primär mein Vater, sondern er ist mein Freund und Begleiter.

    Ich kann Dir sehr gut nachfühlen, denn ich muss mich auch langsam auf diesen Moment vorbereiten. Ich lese bei Dir, dass auch Du Deinen Vater in der jüngeren Zeit als Kameraden, als Freund und als Berater erlebt hast. Das ist sehr viel wert und ich bin dankbar für jedes Gespräch und jede Zusammenkunft mit meinem Vater. Ich geniesse die Zeit.

    Ob man nun “gläubig” ist oder nicht, der Respekt vor dem Leben eines Menschen, den man eine lange Zeit begleiten durfte, bildet schlussendlich die Erinnerung, die man mittragen kann in die Tage, an denen kein Vater mehr da ist.

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